Die Bestellung eines des gemeinsamen Vertreters

Die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters kann auf unterschiedliche Weise erfolgen

Vertragsvertreter

Einige Emittenten von Schuldverschreibungen legen bereits einen gemeinsamen Vertreter als sogenannten Vertragsvertreter in den Anleihebedingungen fest, § 8 SchVG. Bei einem vom Anleiheschuldner bestellten Vertragsvertreter sind durchaus Zweifel angebracht, ob dieser stets die Interessen der Anleihegläubiger vertritt. Jedenfalls drängt sich ein Interessenkonflikt auf.

Wahlvertreter

Sofern kein Vertragsvertreter bestellt ist, können Anleigeschulder/Emitteneten und Anleihegläubiger jederzeit einen Wahlvertreter im Rahmen einer Gläubigerversammlung bestellen. Dies ist insbesondere im Falle der Krise der Anleiheschuldnerin sinnvoll, um so eine wirtschaftlich sinnvolle Sanierung zu ermöglichen und eine Insolvenz zu verhindern.

Bestellung im Insolvenzverfahren

Im Fall der Insolvenz eines Unternehmens, das Schuldverschreibungen (z.B. Anleihen, verbriefte Geussrechte und Zertifikate etc.) emittiert hat,  sieht § 19 Abs. 2 SchVG vor, dass das Insolvenzgericht vor der ersten Gläubigerversammlung eine Versammlung der Schuldverschreibungsgläubiger einzuberufen hat, auf der über die Frage entschieden werden soll, ob ein gemeinsamer Vertreter bestellt werden soll  oder nicht. Spricht sich die Mehrheit der Schuldverschreibigungsgläubiger für die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters aus, wird dieser auf der Versammlung gewählt.

Anforderungen an die Qualifikation des gemeinsamen Vertreters

Grundsätzlich kann jede natürliche Person oder sachkundige juristische Person zum gemeinsamen Vertreter bestellt werden, § 7 Abs. 1 S. 1 SchVG . Bei einer Bestellung eines Vertragsvertreters in den Anleihebedingungen gilt die Einschränkung, dass Organmitglieder oder Mitarbeiter des Emittenten nicht bestellt werden können. Ebenso sind mögliche Interessenkonflikte zu beachten.

Unabhängig von diesen gesetzlichen Anforderungen ist es sinnvoll, bei der Wahl des gemeinsamen Vertreters auf dessen Befähigung hinsichtlich der tatsächlich anstehenden Aufgaben zu achten. Der gemeinsame Vertreter soll insbesondere in der Krise des Unternehmens wesentliche Entscheidungen treffen und die Nachhaltigkeit von Sanierungsmaßnahmen prüfen und beratend begleiten, um für die Anleihegläubiger das bestmögliche Verhandlungsergebnis zu erzielen. Hierzu ist eine entsprechende Sachkenntnis erforderlich, die der gemeinsame Vertreter am Besten sowohl durch seine Berufsausbildung als auch durch seine berufliche Tätigkeit dokumentieren kann.