German Pellets GmbH – Information des Gemeinsamen Vertreters vom 07.10.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der vorbezeichneten Angelegenheit darf ich Ihnen als gemeinsame Vertreter der Anleihe 2011/2016 nachfolgend über den Termin zur Gläubigerversammlung vom 5. Oktober 2016 berichten.

Voranstellen darf ich, dass mir von verschiedenen Anlegern mitgeteilt wurde, mein letztes Rundschreiben vom 23. September 2016 nicht erhalten zu haben. Ich gehe davon aus, dass dies technisch bedingt war und meine letzte EMail insbesondere von Spam-Filtern o.a. abgeblockt wurde. Ich erlaube mir daher, meine letzte E-Mail in der Anlage nochmals beizufügen.

Bericht der Insolvenzverwalterin Rechtsanwältin Schmudde

Die Gläubigerversammlung war zunächst von dem sehr ernüchternden Bericht der Insolvenzverwalterin über den aktuellen Stand des Verfahrens geprägt. Diesen Bericht erstattete die Insolvenzverwalterin mündlich auf der Grundlage ihres Berichts gegenüber dem Insolvenzgericht vom 26. September 2016. Diesen Bericht stelle ich hier zum Downbload zur Verfügung, um interessierten Anlegern den Zugang zu dieser umfassenden Dokumentation des bisherigen Verfahrens zu ermöglichen. Wesentliche Gesichtspunkte des Berichts waren folgende:

Insolvenzursachen

Zunächst berichtete die Insolvenzverwalterin über die Ursachen der eingetretenen Insolvenz. Dabei stellte sie zunächst voran, dass die in der Vergangenheit von der Gesellschaft vorgelegten Geschäftszahlen erheblichen Zweifeln ausgesetzt sind. Insbesondere bestünde Grund zu der Annahme, dass die ausgewiesenen Umsatzzahlen überhöht sind. Diesbezüglich habe die zuständige Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen aufgenommen (vgl. hierzu auch nachfolgend).

Als eine der wesentlichen Ursachen der defizitären Unternehmensentwicklung machte die Insolvenzverwalterin aus, dass die German Pellets GmbH offensichtlich über keinerlei belastbares Controlling verfügte. Eine an der tatsächlichen Geschäftsentwicklung orientierte Unternehmensführung und -entwicklung sei daher nicht möglich gewesen. Hinzu kam, dass die German Pellets GmbH als Muttergesellschaft der Unternehmensgruppe allein sämtliche Kosten der gesamten Unternehmensgruppe trug. Die insoweit den jeweiligen Tochtergesellschaften in Rechnung gestellten Leistungen wurden von diesen nicht bezahlt. In gleicher Weise wurde insbesondere das Anleihekapital an andere, ausländische Gruppengesellschaften ausgereicht und ist insoweit in Deutschland nicht mehr verfügbar.

Angesichts dieser erheblichen Mittelabflüsse geht die Insolvenzverwalterin nach aktueller Einschätzung davon aus, dass die Insolvenzreife in Form der Zahlungsunfähigkeit bereits zur Jahresmitte 2015 eingetreten sei.

Tätigkeiten der Insolvenzverwaltung

Weiter berichtete Rechtsanwältin Schmudde als Insolvenzverwalterin, zu Beginn des Insolvenzverfahrens zunächst sämtliche Daten durch eine umfassende Server-Spiegelung vollständig gesichert zu haben. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass Daten des Unternehmens seit diesem Stichtag nicht mehr manipuliert werden konnten, sondern auf dieser Basis eine umfassende Aufarbeitung der Insolvenz möglich ist.

Der Geschäftsbetrieb war zu Verfahrensbeginn bereits faktisch eingestellt. Insbesondere fand seit dem 15. Dezember 2015 keine Pellet-Produktion mehr statt. Kontoguthaben in Höhe von ca.. € 2 Mio. waren bereits gepfändet, sodass die Insolvenzverwalterin bei Mandatsübernahme lediglich einen freien Mittelbestand von ca. € 5.000,00 vorfand. Um überhaupt handlungsfähig zu werden, wurde daher ein Massekredit über € 1,4 Mio. von der Commerzbank aufgenommen. Dieser Massekredit wurde durch seitdem entstandene Forderungen gegenüber Dritten gesichert. Sonstiges Vermögen stand zur Sicherung nicht mehr zur Verfügung. Insbesondere war der gesamte Vermögensbestand des Unternehmens mindestens einfach, teils sogar mehrfach von Drittgläubigern belastet.

Neben dem Massekredit fand eine Vorfinanzierung des Insolvenzgelds mit Zustimmung der Arbeitsagentur statt. Nach dieser Bestandsaufnahme wurde erkennbar, dass der Geschäftsbetrieb unter Vollkostenlastklammer (also ohne die Subvention durch das Insolvenzgeld) nicht aufrechtzuerhalten war. Die Insolvenzverwalterin leitete daher bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren einen sogenannten M&A-Prozess, also die Veräußerung des Unternehmens ein. Hierzu wurden insgesamt 130 Interessenten weltweit angesprochen, von denen zu Verfahrensbeginn sieben Angebote vorlagen. Auf dieser Grundlage wurde das Werk in Wismar und die Werke in
Baden-Württemberg veräußert und in diese Veräußerungsverträge bereits ordnungsgemäß abgewickelt. Die Teilzahlungen in Höhe von € 1 ,9 Mio. (Wismar) bzw. € 2,4 Mio. (Baden-Württemberg), die der Insolvenzmasse und nicht den hiermit gesicherten Gläubigern zustanden, sind bereits bei der Insolvenzverwalterin eingegangen.

  • Darüber hinaus verfügte die German Pellets GmbH über Beteiligungen an insgesamt 23 Gesellschaften, die sich ihrerseits selbst in Insolvenzverfahren befinden und insoweit nahezu ausnahmslos wertlos sind.
  • Ein Vorratsvermögen war körperlich kaum vorhanden. Die Insolvenzverwalterin geht davon aus, dass durch einen nur vermeintlichen Handel von Vorratsvermögen zwischen den einzelnen Gruppengesellschaften lediglich Buchpositionen aufgebaut wurden, denen tatsächlich keine wirtschaftlichen Werte gegenüberstanden. Soweit noch Altbestände des Vorratsvermögens vorhanden waren, wurden auch diese zwischenzeitlich verkauft.
  • Forderungen aus Lieferung und Leistung wurden bei den German Pellets GmbH mit € 45 Mio. bilanziert. Hiervon richten sich aber Forderungen in Höhe von € 36 Mio. gegen gruppenverbundene Unternehmen, die aus dargestellten Gründen voraussichtlich nicht einbringbar sind. Die Ansprüche wurden aber in den dortigen Insolvenzverfahren zur Insolvenztabelle angemeldet. Hinsichtlich der verbleibenden € 9 Mio. gegenüber Drittgläubigern ist leider auch davon auszugehen, dass diese wohl nicht werthaltig sind. Zwar wurde der Forderungseinzug bereits eingeleitet. Dabei zeigt sich indes, dass solche Forderungen mit erheblichen und insoweit auch nachvollziehbaren Einwendungen der jeweiligen Schuldner behaftet sind und insoweit überhöht abgerechnet wurden.
  • Darüber hinaus bestehen Darlehensforderungen in Höhe von ca. € 203 Mio., die sich im Wesentlichen gegen österreichische Unternehmen richten. Diese Darlehensforderungen sind ungesichert mit einer Fälligkeit im Jahr 2038 ausgereicht. Die Rückforderung dieses Darlehensbetrags ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aussichtslos.
  • Darüber hinaus trug die Insolvenzverwalterin vertieft zu den sogenannten Sonderaktiva vor, also solchen Ansprüchen, die spezifisch aufgrund der eingetretenen Insolvenzlage vorhanden sein können. Hierbei war zunächst ein möglicher Haftungsanspruch gegenüber Wirtschaftsprüfern zu benennen. Die diesbezügliche rechtliche Prüfung dauert allerdings noch an.
  • Nachdrücklich erkennt die Insolvenzverwalterin Ansprüche gegen Herrn Leipold aus der sogenannten Insolvenzverschleppungshaftung, da auch nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit nach vermutlich der Jahresmitte 2015 weiter Zahlungen aus dem Unternehmensvermögen geleistet wurden. Diese belaufen sich in Millionenhöhe. Allerdings ist die Bonität des Herrn Leipold derzeit nicht absehbar, sodass die Werthaltigkeit in diese Haftungsansprüche derzeit nicht sicher bewertet werden kann.
  • Darüber hinaus arbeitet die Insolvenzverwalterin derzeit Anfechtungsansprüche auf, deren Wert sie auf ca. € 4 Mio. einschätzt.

Im Ergebnis schätzt die Insolvenzverwalterin die Insolvenzmasse, also den Wert des vorgefundenen Vermögens, vorsichtig mit € 12 Mio. Aufgrund dieser sehr vorsichtigen Schätzung besteht aber noch erhebliches Erhöhungspotenzial.

Ausblick

Die Verwertung des vorhandenen Vermögens ist insoweit weitgehend abgeschlossen. Nunmehr richtet sich der Fokus der Insolvenzverwalterin auf den Einzug der vorstehend angesprochenen Forderungspositionen. Auf Rückfrage aus den Reihen der anwesenden Gläubigern berichtete die Insolvenzverwalterin, dass Ansprüche gegenüber Herrn Leipold bereits außergerichtlich geltend gemacht wurden. Hier signalisiert Herr Leipold bislang Vergleichsbereitschaft mit Blick auf seiner eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten. Ferner berichtete die Insolvenzverwalterin, dass die Staatsanwaltschaft bereits in der Angelegenheit aktiv sei. Es fände ein intensiver Austausch zwischen ihrem Büro und der Staatsanwaltschaft statt, der insbesondere auch die gesicherten Datenbestände umfasse. Nach Einschätzung der Insolvenzverwalterin sei ein zeitnahes und kurzfristiges Handeln der Staatsanwaltschaft absehbar.

Beschlussfassungen

Die notwendigen Beschlussfassungen nahmen erheblichen Raum ein. Hintergrund war, dass von Anleihegläubigern mit ganz erheblichen Forderungspositionen der Wunsch geäußert worden war, sich an der Arbeit im Gläubigerausschuss zu beteiligen. Dieses Anliegen, dass ich aufgrund meiner Kenntnis zum einen der fachlichen Qualität der Kandidaten, zum anderen angesichts des an der Forderungshöhe bemessenen wirtschaftlichen Interesses der betreffenden Anleihegläubiger unterstützt habe, war notwendigerweise mit der Beendigung der Tätigkeit anderer Mitglieder des vorläufigen Gläubigerausschusses verbunden. Zur Abwehr dieses Vorhabens wurde von Seiten zweier (vorläufiger) Gläubigerausschussmitglieder, die nach meiner Einschätzung zumindest in einem Falle die Interessen der Anleihegläubiger vertreten sollten, beantragt, mein Stimmrecht aufgrund meiner Stellung als gemeinsamer Vertreter Ihrer Anlage 2011/2016 auf € 0,00 zu reduzieren und uns insoweit von der Beschlussfassung auszuschließen. Hiergegen habe ich mich in der Versammlung bereits gewandt und wurde nicht nur von der versammlungsleitenden Rechtspflegerin, sondern auf das dagegen eingelegte Rechtsmittel hin auch durch die zuständige Richterin bestätigt. Die diesbezügliche rechtliche Klärung bedurfte aber eines erheblichen Zeitaufwands.

Nach dieser erheblichen Verzögerung von mehreren Stunden fasste die Gläubigerversammlung den Beschluss, die Eigenverwaltung zu beenden und Insolvenzverwalterin in ihrem Amt zu bestätigen. Anschließend wurde ein siebensitziger Gläubigerausschuss gewählt, dem nunmehr auch ein institutioneller Anleihen-Investor zur nachdrücklichen Vertretung auch der Interessen der Anleihegläubiger angehört. Nach weiteren, formalen Beschlüssen war die Gläubigerversammlung gegen etwa 18:30 Uhr beendet.

Über die weitere Entwicklung und insbesondere das in den nächsten Wochen anstehende Ergebnis der Forderungsprüfung werde ich sodann wieder unterrichten. Sollte es weitere Detailfragen gegeben, würde ich mich über Ihre Rückäußerung per E-Mail freuen. Ich würde dann entscheiden, ob ich diese E-Mail individuell oder die dabei aufgeworfenen Fragen im nächsten Rundschreiben zur Kenntnis aller registrierter Anleihegläubiger beantworte.

Mit freundlichen Grüßen
DANIEL VOS

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
als gemeinsamer Vertreter der Anleihe WKN A1H3J6