German Pellets GmbH – Information des Gemeinsamen Vertreters vom 23.09.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

als gemeinsame Vertreter der vorbezeichneten 7,25 % Inhaber-Schuldverschreibung 2010/2016 der German Pellets GmbH, Wismar, haben Sie sich bei mir bzw. der Insolvenzverwalterin registriert. Zunächst bedanke ich mich für Ihr Interesse an meiner Tätigkeit und möchte versuchen, Sie in diesem ersten Rundschreiben über den aktuellen Sachstand zu unterrichten.

Zur Funktion des gemeinsamen Vertreters

Funktion und Tätigkeit eines gemeinsamen Vertreters sind im allgemeinen nicht näher bekannt, sodass ich mir erlaube, diese zunächst zu erläutern.

Das Organ des gemeinsamen Vertreters für die Gläubiger von Schuldverschreibungen war im Kern bereits in dem Schuldverschreibungsgesetz von 1899 vorgesehen. Allerdings waren die seinerzeit für den gemeinsam Vertreter vorgesehenen Kompetenzen und die durch das Schuldverschreibungsgesetz von 1899 eröffneten Handlungsmöglichkeiten der Gläubigergemeinschaft sehr eingeschränkt, sodass dieses Gesetz wie auch der darin konzeptionell vorgesehene gemeinsame Vertreter von nur geringer praktischer Bedeutung waren.

Dies hat sich geändert, seitdem der Gesetzgeber das Schuldverschreibungsgesetz im Jahr 2009 (SchVG 2009) reformierte, die hieraus für die Anleihegläubiger resultierenden Handlungsmöglichkeiten (auch für Sanierungsbeiträge) erweiterte und dadurch auch den Handlungsspielraum eines gemeinsamen Vertreters vergrößerte. Durch diese Gesetzesänderung ist das grds. sehr alte Konzept des gemeinsamen Vertreters zu neuem Leben erwacht.

Der gemeinsame Vertreter fungiert als „Scharnier“ zwischen der jeweiligen Anleihe-Emittentin und der Gesamtheit der jeweiligen Anleihegläubiger. Ohne diese Person bestünde auf der einen Seite das Problem, dass eine Emittentin gerade in Krisensituationen keinen Ansprechpartner für sinnvolle Sanierungsmaßnahmen hätte, was sich bis zu der Gesetzesreform 2009 als echtes Sanierungshindernis erwies. Auf der anderen Seite ermöglicht es der gemeinsame Vertreter auch einer anonymen und oftmals zersplitterten Anleihegläubigergesamtheit, mit einer Stimme zu sprechen und die Rechte aus der Anleihe effektiv durchzusetzen.

In einem Insolvenzverfahren ist der gemeinsame Vertreter nach § 19 Abs. 3 SchVG 2009 für alle Gläubiger allein berechtigt und verpflichtet, die Rechte der Gläubiger geltend zu machen. Dem gemeinsamen Vertreter kommt also eine globale Vertretungsmacht für alle jeweiligen Anleiheinhaber der von ihm vertretenen Schuldverschreibung zu.

Forderungsanmeldung

Dementsprechend war auch ich als gemeinsame Vertreter der von Ihnen gehaltenen Schuldverschreibung allein berechtigt und verpflichtet, die Forderungsanmeldung vorzunehmen. Dem bin ich am 10. August 2016 bereits nachgekommen und habe bei der Insolvenzverwalterin einen Nominalbetrag in Höhe von € 52.423.000,00 nebst Zinsen in Höhe von ca. € 4.180.000,00 angemeldet. Hierzu folgendes:

Die bei mir seitens der Gläubiger eingegangenen Registrierungen waren häufig mit der Bitte verbunden, die jeweiligen Ansprüche bei der Forderungsanmeldung zu berücksichtigen. Dies ist bereits aufgrund dieser globalen Anmeldung geschehen, ohne dass eine formale Registrierung bei mir erforderlich gewesen wäre. Aufgrund des dargestellten, gesetzgeberischen Konzepts einer globalen Vertretungsmacht des gemeinsamen Vertreters kommt es auf die Identität der einzelnen Anspruchsinhaber bei der Forderungsanmeldung nicht an. Dementsprechend wirkt meine Forderungsanmeldung auch fort, soweit sich der betroffene Personenkreis ändert, beispielsweise weil Schuldverschreibungen veräußert, vererbt oder aus sonstigen Gründen übertragen werden. Die Ansprüche aus der Anleihe sind insgesamt und unabhängig von dem Gläubigerbestand in dem Insolvenzverfahren angemeldet. Sie nehmen daher vollständig an dem Insolvenzverfahren teil.

Ihrer Registrierung bei mir kam insoweit keine insolvenzrechtlich formale Funktion zu. Stattdessen ging es mir lediglich darum, mit möglichst zahlreichen Anleihegläubigern auf diese Weise in Kontakt zu treten und deren aktuelle Forderungsinhaberschaft zumindest zu plausibilisieren. Ausdrücklich sind daher auch die Ansprüche solcher Anleihegläubiger von der Forderungsanmeldung vom 10. August 2016 umfasst, die sich zu diesem Zeitpunkt – oder auch aktuell – noch nicht bei mir registriert hatten/haben.

Das von mir nominell anzumeldende Forderungsvolumen aus Ihrer Anleihe habe ich mit den Betrag von € 52.423.000,00 beziffert. Dies steht nicht im Widerspruch zu dem Umstand, dass Ihre Anleihe mit einem Volumen in Höhe von bis zu insgesamt nominal € 100 Mio. platziert und prospektiert wurde. Für die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren ist nicht das maximal platzierbare Volumen einer Schuldverschreibung relevant, sondern nur der tatsächlich platzierte Anleihebestand, der wirtschaftlich relevante Verbindlichkeiten gegenüber der Emittenten German Pellets GmbH zum Zeitpunkt der Insolvenzverfahrenseröffnung darstellt. Dieser Betrag muss selbstverständlich nicht mit dem prospektierten Maximalvolumen übereinstimmen. Typischerweise entstehen Abweichungen dadurch, dass beispielsweise eine Anleihe nicht vollständig platziert werden konnte, oder dass eine Emittentin Teilbestände der Anleihe zurückkauft.

Den vorstehend genannten und in dem Insolvenzverfahren angemeldeten Forderungsbestand habe ich dergestalt ermittelt, dass das Büro der Insolvenzverwalterin für die Emittentin German Pellets GmbH als Vertragspartnerin der Zahlstelle von der Clearstream Banking den aktuell am Markt gehandelten Forderungsbestand ermittelt und mir unmittelbar mitgeteilt hat. Auf diese Weise konnte mit Sicherheit festgestellt werden, mit welchem Volumen die Anleihe derzeit am Markt platziert ist, woraus sich der aktuelle Forderungsbestand aus der Anleihe ergibt.

Weiteres Vorgehen / Gläubigerversammlung

Bekanntlich findet die Gläubigerversammlung in dem Insolvenzverfahren der German Pellets GmbH am 5. Oktober 2016, 10:30 Uhr in Schwerin statt. Insoweit darf ich Sie darüber unterrichten, dass der Versammlungssaal verlegt wurde. Die Versammlung findet nunmehr im Goldenen Saal im Neustädtischen Palais Schwerin, Justizministerium M-V, 3. Obergeschoss, Puschkinstraße 19-21,19055 Schwerin statt.

Sie brauchen an dieser Veranstaltung nicht teilzunehmen. Aufgrund meiner umfassenden Vertretungsbefugnis werde ich sämtliche – mithin auch Ihre – Forderungen in diesem Termin vertreten und selbstverständlich persönlich anwesend sein. Dieser Termin dient auch als Berichtstermin, in dem die Insolvenzverwalterin den aktuellen Verfahrensstand und die Aussichten des Verfahrens eingehend darstellen wird. Im Anschluss an diesen Berichtstermin werde ich Sie auch auf diesem Wege über die wesentlichen Erkenntnisse unterrichten, um Sie auch insoweit auf dem Laufenden zu halten.

Sollte es konkrete Fragen Ihrerseits geben, wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie mir diese per E-Mail und möglichst knapp mitteilen würden. Ich werde mich bemühen, solche Fragen soweit möglich gebündelt in künftigen Rundschreiben aufzugreifen und zur allgemeinen Kenntnisnahme zu beantworten.

Ich melde mich wieder bei Ihnen!

Mit freundlichen Grüßen

DANIEL VOS
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
als gemeinsamer Vertreter der Anleihe WKN A1H3J6